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BeitragThema: Schlesien   Mo Jan 26, 2009 12:01 pm


SCHLESIEN - ALTES DEUTSCHES
LAND


Von Heinrich O. Olbrich
Im Gedenken an die grausame
Vertreibung aus der ostdeutschen Heimat vor zehn Jahren veranstalteten unsere
Landsmannschaften gewaltige Kundgebungen, die jeweils von Hunderttausenden von
Schicksalsgefährten besucht waren. Die Sprecher in diesen Veranstaltungen, ob
Vertreter des Bundes, der Länder oder Landsmannschaften, richteten an das
Weltgewissen den feierlichen Appell, schmachvolles Unrecht an den zehn Millionen
Vertriebenen nicht zu vergessen, vielmehr ehrlich darum bemüht zu sein, daß
dieses einst wieder gutgemacht werde. Die Heimatvertriebenen üben sich indessen
in Geduld, Gelassenheit und in einer stillen Zuversicht.

Die Polen, denen die Gebiete
östlich der Oder-Neiße-Linie durch die Abkommen von Jalta und Potsdam
zunächst nur zur Verwaltung übergeben worden sind, haben gleichzeitig in
Presse und Rundfunk den mageren Versuch unternommen, unsere ostdeutsche
Provinzen als „uralte polnische Erde" für sich zu reklamieren. — Es
ist daher durchaus an der Zeit, daß wir uns alle auf die Geschichte und die
Kultur des deutschen Ostlandes besinnen und, wo es erforderlich ist, auch unser
bestehendes Fehlurteil einer Berichtigung zu unterziehen.

Der Umfang des vorliegenden
Heimatkplenders gestattet mir nur, eine Provinz, Schlesien, in den Mittelpunkt
der beabsichtigen Betrachtung zu stellen.

Wenn man von Schlesien und der
Kultur des schlesischen Menschen sprechen will, dann taucht zunächst als erste
Frage auf, w o diese Kultur ihren Anfang genommen hat. Wenn, wie polnische
Stimmen behaupten, Schlesien heute, nach 800 Jahren, zu „seiner Mutter"
heimgekehrt sei, dann wäre also die Mutter Schlesiens und unsere schlesische
Kultur letztlich auf einem polnischen Boden aufgegangen.

Der „Bayrische Geograph",
ein Geschichtsschreiber des neunten Jahrhunderts, zählt vier schlesische Gaue
auf; die der Dadosesani und Sleenzana, der Opolini und Golencini. Die Golencini
gehörten zu Österreich-Schlesien, die Opolini siedelten 'um Oppeln, die
Sleenzaner um den Slenz, den Zobten, d. h. im Raum Breslau, um die Dadosesani an
der unteren Oder. Es wird nicht bestritten, daß slavische Splittergruppen im
sechsten nachchristlichen Jahrhundert m die ostdeutsche Landschaft einsickerten.
Sie saßen zuvor in der „Urheimat der Slaven", im Sumpfgebiet des Pripet.
Ehe polnische Stämme nach Schlesien kamen, wohnten hier aber schon längst
germanische Stämme, die jedoch in der Völkerwanderung weiter zogen. Zahlreiche
Gräberfunde bestätigen u. a. auch diese Tatsache.

In diesen polnischen
Zwischenzeiten ist das spätere Schlesierland unserem Volke jedoch nie
entfremdet worden.

Was Rechte schafft, das sind
allein die Leistungen. —
Als
die Piasten, Nachkömmlinge polnischer Herzöge, nach Schlesien deutsche Bauern
ins Land riefen, sah es dort recht trostlos aus. Der Chronist vom Kloster Leubus
berichtet uns, daß von einer Landwirtschaft in der vorübergehenden polnischen
Zeit keine Rede sein konnte. Die harte Erdkrume wurde mit dem hölzernen
Hakenpflug aufgerissen. Die Ernte war so gering, daß sich selbst die wenigen
Menschen nur dürftig ernähren konnten. Die wenigen Städte waren klein und
verkommen. Von einem Bürgertum war keine Rede.




Oppeln - Rathaus
Erst nachdem die genannten
Piastenherzöge, die selbst längst die deutsche Kultur angenommen hatten und
sich durch viele Heiraten mit Fürstentöchtern Westdeutsch
lands
an Deutschland anlehnten, aus dem westdeutschen Mutterlande die Bauern ins Land
riefen, trat die große Wende in der Entwicklung ein.

Wir können den Weg der
Deutschen in Schlesien beinahe Schritt für Schritt verfolgen: Die deutschen
Klöster, die um das Jahr 1000 die Riesenwälder rodeten, die deutschen Bauern,
die den Mönchen folgten und das versumpfte Land urbar machten, die deutschen
Handwerker und Kaufleute, welche den Städten erst das Antlitz verliehen — man
muß nur an die Geschichte Breslaus denken —, kündeten durch ihre Bauwerke,
daß ihre Erbauer aus Franken und Hessen und aus Th
üringen
gekommen waren, deutsche Sitten und Gebräuche
ins Land brachten, die bis zur Vertreibung Bestand hatten.

Die ohnehin schwachen
Einflüsse des Polentums waren bereits im 11. bzw. 12. Jahrhundert völlig
zurückgedrängt, und um das Jahr 1250 war bereits der Höhepunkt deutscher
Entfaltung in Schlesien erreicht. Diese Provinz war deutsches Land geworden,
erfüllt von deutschen Städten und Dörfern. Unter dieser Entwicklung entsagte
Polen im Vertrage von Trntscbin im Jahre 1335
feierlich allen Ansprüchen
auf Schlesien, das sich in diesem Jahre auch staatsrechtlich von Polen gelöst
hat. Dieser am 24. August 1335 durch die Gesandten des polnischen Königs
geschlossene Vertrag wurde auf der Fürstenversammlung zu Plintenburg bestätigt
und 1339 vom polnischen König persönlich unterzeichnet. Dieser historische
Vorgang war nicht etwa das Ergebnis einer augenblicklichen Zwangslage, sondern
der Abschlu
ß einer volksgeschichtlichen
Entwicklung.
Seit 1335 hatte Schlesien mit
Polen nichts mehr gemein.

Als im 16. Jahrhundert sich der
Herzog Friedrich IV. von Liegnitz um die erledigte polnische Krone als
Piastenstämmling in Krakau bewarb, wurde er von den Polen als Deutscher
entschieden abgewiesen.

Heute Schlesien zur „polnischen
Mutter" heimführen zu wollen, ist ein geschichtlich unmögliches und ganz
unbegründetes Unterfangen. Man kann, was man 700 Jahre lang als deutsch nannte,
nicht — um eine augenblickliche günstige Situation zu nützen — plötzlich
polnisch nennen.

Heute, aus der Ferne, scheint
die geistige Kraft, die aus den in Schlesien erhaltenen zahllosen Bauwerken und
ihren einladenden Toren strömt, noch deutlicher vernehmbar als einst: Die
erhabene Größe, die immer wieder den Besucher Schlesiens bezauberte, die
gläubige Standhaftigkeit, die vor 700 Jahren die Baumeister der Zisterzienser
und Prämonstratenser in die wuchtigen Mauern und Türme fügten, die Treue, die
nach dem Türkeneinfall die geistlichen Herren von Breslau zum „dennoch"
bewegte, oder die sanfte, schöne Klarheit, die viele unbekannte Meister in
manches zierliche Filigran hineinlegten — die Zahl der Sinnbilder deutschen
Denkens ist unerschöpflich wie der Quell der abendländischen Lebensströme,
aus denen die deutsche Vergangenheit der nun geraubten Heimat im Osten erwuchs.1)

Wie es heute in der einst so
blühenden Provinz Schlesien aussieht, ist uns aus laufenden Berichten bekannt.

Wer eine Heimat raubt, wer die
kulturelle Kontinuität zerbricht, zerstört Kultur. Und er reißt aus, was
tausend Jahre, Zelle um Zelle gewachsen ist. Es wirft den Menschen, wirft ein
Volk und tausendjährige Leistung eines Volkes über Bord.

1) Die deutsche
Sprache wurde In Schlesien seit jeher besonders gepflegt. Es sei nur erinnert an
die 1. und 2. schlesische Dichterschule und an die Kulturarbeit der schlesischen
Sprachgesellschaften, so daß Schlesien ein Quickborn für die gesamte
hochdeutse Sprache wurde. Auch das deutsche Schulwesen erhielt von Schlesien
einen neuen Auftrieb durch die Pädagogen Trotzendorf und Felbiger.

http://www.kreis.aw-online.de/kvar/VT/hjb1956/hjb1956.15.htm


Rathaus Oppeln

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